Modell-Umbau mit einem Freund

Mein Kollege hat vereinsintern eine schöne Graupner Starlet erstanden. 

Diese hatte nur 2 Probleme. 

Erstens hatte der Lipo leider wie so oft sein Ablaufdatum erreicht, und wurde durch ein langlebigeres Kraftpaket ersetzt. 

Das schlimmere Problem war das originale Alu-Fahrwerk, welches bei jeder noch so sanften Landung demütig in die Knie ging und somit den Propeller und andere Anbauteile sorglos der Asphaltpiste als Landegebühr zum Opfer werden ließ.

Diese Eigenschaften machten meinem Kollegen sichtlich zu schaffen. Gute Ratschläge unserer Vereinskollegen halfen Ihm aber nicht wirklich weiter, denn er traute sich nicht, irgend eine Änderung am Modell vorzunehmen, denn das würde eventuell dem Aussehen schaden können.

Zusätzlich traute er sich nicht zu, solch einen Umbau selber bewerkstelligen zu können.

Nach langen Diskussionen und weiteren Ideen dem Flieger sogar noch eine weitere Verwendung angedeihen zulassen kam noch der Wunsch eine Schleppkuplung für Seglerschlepp einzubauen.

Der Plan dieses Mega-Projekt in Angriff zu nehmen nahm zusätzlich an Gewicht zu, weil unser Obmann gleich zwei ausgediente Schleppkupplungen von früheren Desastern zur Verfügung gestellt hat und ein passendes Kohle-Fahrwerk bestellt wurde.

Lange Erklärungen, wie diese Teile an den Flieger ein und angebaut werden können, schienen zwecklos, da mein Kollege sich schlicht nicht zutraute, das selber zu schaffen. Seine bisherige Bauerfahrungen waren lediglich ein Bau einer Holzschubkarre und einem Akkuhaltebrett. 

Ich habe mich somit bereit erklärt, mit ihm, in meiner Bastelbude diese Umbauten zu machen.

Eines Morgens erschien mein Kollege mit seiner Starlet zum operativen Eingriff in meiner Werkstatt. 

Das Alu-Fahrwerk mit der Festigkeit einer Schokoladefolie hatte er schon ausgebaut und somit konnte dann gleich mit der Entfernung der unteren Rumpfabdeckung begonnen werden. Es musste leider die folierte Rumpfabdeckung herausgeschnitten werden. 

Die Tatsache irgendwas an dem Rumpf mittels Säge zu entfernen machte meinem Kumpel schon sehr große Sorgen, es könnten danach ja bleibende Schönheitsfehler sichtbar sein. Meine Säge war schneller als sein Versuch mir diese Aktion auszureden. 

Die Maße der bestehenden Befestigungslöcher hab ich mittels Schublehre schnell ermittelt und auf sein neues Hochglanz-Karbon-Fahrwerk eingeritzt (Kratzspuren!!!!) Diese Aktion ließen Ihn blass und leise werden. 

Ich hörte ihn nur noch leise wimmernd „Peter Peter“ sagen. Er war blass um die Nase und seine Augen signalisierten blankes entsetzen. Ich konnte ihn nur beruhigen, indem ich ihm erklärte, daß diese Kratzer später nicht sichtbar sein werden, und diese Kratzer des Fahrwerkes durch den Rumpf verdeckt würden. 

Die Bohrungen der benötigten Löcher hat er dann auch noch schweren Herzens eingesehen. Das Fahrwerk konnte fertig montiert werden und die zuvor ausgeschnittene Rumpfabdeckung wurde so aufgebracht, daß fast keine Spuren des Eingriffes zu sehen waren. 

Nach einer kleinen Rauchpause und Beruhigung seines Kreislaufes konnte die nächste Aktion, der Einbau einer Schleppkupplung in Angriff genommen werden. 

Wer schwache Nerven hat, sollte jetzt aufhören zu lesen. 🙂

Zu meiner Entschuldigung muss ich erstmal erklären, daß ich schon zu den Menschen gehöre, die dem Urnengang schon sehr nahe sind, bin nämlich Pensionist. Somit ist es für mich wichtig Projekte möglichst rasch zur Fertigstellung zu bringen, bevor ich in die Urne eingefüllt werde.

Nun gut, es war anscheinend nur mir klar, daß eine vernünftige Öffnung an der Oberseite des Rumpfes benötigt wird, um die gespendete Schleppkupplung einzubauen. Eine vernünftige Stelle bezüglich Aufnahme der auftretenden Kräfte beim Schleppen war für mich schnell gefunden. Mein Kollege konnte über diesen Eingriff überzeugt werden und bat mich, die Stelle anzuzeichnen um sicher an der richtigen Stelle den furchtbaren Einschnitt zu machen. 

Ich hab seinen verzweifelten Gesichtsausdruck nicht gesehen, als ich die gewünschte Markierung mittels heulendem Dremels machte und somit die Folie an dieser Stelle leicht rauchend verschwand. Neben mir stand ein geknicktes etwas, ohne Kraft und Stimme. Es war kurz sehr ruhig, nachdem ich den Fräser ausgeschalten habe. 

Blankes Entsetzen stand in seinem Gesicht und er starrte eigentlich nur auf den für Ihn total zerstörten Rumpfrücken. Ich war kurz davor, einen Notarzt zu rufen, denn mein Grundwissen in Erster Hilfe ist nicht auf dem neuesten Stand. Nach kurzer Zeit fand er wieder die Kraft sein Entsetzen verbal zu bekunden. 

Ich ließ Ihm die Zeit, sich den Totalschaden zu betrachten und machte mich ans Werk, ein benötigtes Servohaltebrett zuzuschneiden und zum Einbau vorzubereiten. Den Klang meiner Stichsäge hat er in diesem Moment sicher nicht wahrgenommen.

Den Servo auf das Servobrett einzubauen und die Schubstange für die Schleppkupplung abzulängen wurde dann wieder gemeinsam erledigt. Sein Nervenkostüm erlaubte schon fast keinen Wiederstand mehr. Er beschäftigte sich nur noch mit dem Gedanken, wie er die minimalen Risse am Rand der Öffnung wieder zur völligen Schönheit bringen konnte. Die Verkabelung an den Empfänger anzuschließen und die Fernsteuerung zu programmieren durfte ich ohne Einwand selber machen, während er schon die benötigte Folie zur Wiedergutmachung der Schandtat zuschneiden konnte.

Ich zumindest war froh, den Umbau innerhalb eines Vormittages erledigt zu haben. Er war froh, daß er nicht noch mehr zu ertragen hatte. Wir gingen danach gemütlich zum Mittagessen und nach etwa einer Stunde konnte ich ihn ohne schlechtes Gewissen wieder nach Hause fahren lassen. 

Die Schleppkupplung und das Fahrwerk funktioniert einwandfrei und mein Kollege hat in Eigenregie noch die Wunden am Rumpf perfekt beseitigt. Am nächsten Tag konnte er seine ersten Landungen ohne einknicken des Fahrwerkes erleben und war meines Erachtens wieder seelisch vollkommen in Takt. Auch der erste Seglerschlepp war erfolgreich, worauf er sicher stolz sein kann.

Die Geschichte hat auch zu einer neuen Gesinnung meines Kollegen beigetragen, denn Tage später, nach einer unglücklichen Landung wurde eine Reparatur an der Flächenaufhängung notwendig. Diese hat der Junge selbstständig alleine durchgeführt, und ich bin stolz auf ihn, denn man kann wieder nichts von einer Reparatur erkennen. Böse Zungen behaupten, die Motivation es selber zu machen, war meine Vorgehensweise solche Reparaturen anzugehen.

Ich hoffe sehr, er vergibt mir, sein Nervenkostüm derart belastet zu haben. Es war zumindest für mich ein sehr amüsanter Vormittag. 

Peter der Schreckliche 

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